Bericht auf RTL am 26.11.2002 um 18:45 Uhr in "RTL-Aktuell".
Dauer des Beitrages: 00:25 min.
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Bericht im ZDF am 26.11.2002 um 13:00 Uhr in "ZDF-Mittagsmagazin".
Dauer des Beitrages: 03:06 min.
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"Müssen wir sie kennen?" - Ein Film von unserem Toleranzschiedsrichter Thorsten Lehmkühler, gedreht bei der Abschlussveranstaltung von Fairlink im Schloss Bellevue im November 2003.
Dauer des Beitrages: 09:14 min.
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Vorstellung (Anne und Jens)
Jens: Herr Bundespräsident, liebes Publikum, darf ich ihnen Anne Piel vorstellen, fairlink.de Toleranzschiedsrichterin aus dem Wendland in Niedersachsen.
Anne: Und das ist Jens Burnicki, Toleranzschiedsrichter aus Bielefeld.
Jens: Wir beide haben heute die ehrenvolle Aufgabe, Ihnen einen kurzen Eindruck über die Arbeit von fairlink.de zu vermitteln. Anschließend überreichen wir das [fairnetz], Tipps für respektvolles Handeln im Internet an den Bundespräsidenten Johannes Rau. Wie Frau Lahnstein schon anschaulich dargestellt hat, geht es bei fairlink.de mittlerweile um viel mehr als nur um das Thema Rechtsextremismus im Internet, aber eben dies war der Anfang.
Problemhintergrund
Anne: Seit 1996 steigt die Zahl rechtsextremer Internetseiten rapide an. Damals waren es gerade mal ca. 32 Seiten mit rechtsextremistischem Gedankengut. Diese Zahl stieg bis 2001 auf 1300 Seiten an. Die Inhalte dieser Seiten waren zum Teil erschreckend und vor allem für jeden zugänglich.
Jens: STEP 21 sah Handlungsbedarf und wollte ein Zeichen setzen. Es gibt bis heute keine internationalen Abkommen über Verbote, deswegen müssen User sensibilisiert und gestärkt werden! Jugendlichen, die sich gegen Rechts engagieren wollen, sollte ein Forum geboten werden. Ein Aufruf auf der Website von STEP 21 wurde gestartet, bei dem Jugendliche aus ganz Deutschland sich als Toleranzschiedsrichter bewerben konnten. Insgesamt haben sich knapp 100 Jugendliche aus ganz Deutschland beworben. Nicht alle konnten die ganzen 18 Monate kontinuierlich mitarbeiten, dafür haben sie aber als Multiplikatoren gewirkt und zahlreiche andere Jugendliche auf fairlink.de hingewiesen, die somit an Bord von fairlink.de kamen.
Rolle von STEP 21
Anne: Ich zum Beispiel war vor drei Jahren mit meiner Klasse auf Tagesfahrt. Ein Klassenkamerad von mir ist auf dem Bahnhof von Skinheads angepöbelt worden. Sie drohten sogar ihm mit Handschellen „festzunehmen“. Da unsere Klassenlehrer und zufällig zwei Polizisten in der Nähe waren, konnte die Situation entschärft werden. Durch meinen Lehrer erfuhr ich auch von STEP 21, die mich und Freunde bei unserem Projekt unterstützten. So ist das Projekt: „Was tun bei Pöbeleien auf der Straße?“ entstanden.
Jens: Ich habe durch einen guten Freund, Thorsten Lehmkühler, von dem STEP 21 Aufruf für fairlink.de erfahren. Er wurde von STEP 21 direkt angeschrieben, da er schon vorher an der Entwicklung der STEP 21 Medienbox beteiligt war. Wir haben erste Projektideen entwickelt und zusammen mit einer weiteren Freundin, Mariam Soufi, eine Bewerbung abgeschickt. Wir wurden genommen und heute sind wir hier und können unsere Ergebnisse des Projektes, ein Online Game und ein E-Card Wettbewerb, präsentieren.
Anne: STEP 21 hat uns die Möglichkeit gegeben, eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Die Internetplattform fairlink.de nutzen wir seitdem als Kommunikationsplattform. Jedem Team wurden Stepper und Coaches zugeteilt.
Coaches
Anne: Unsere Coaches sind ehrenamtliche Experten aus Wissenschaft, Kultur und Medien. Diese haben uns bei der Umsetzung unserer Projekte unterstützt. Durch die Öffentlichkeit, die zusammen mit STEP 21 geschaffen wurde, haben wir die Möglichkeit, dass wir und unser Handeln Gehör finden und wir unsere Ergebnisse und Erfahrungen weitergeben können.
Auftakt Bellevue 17. Januar 2001
Jens: Unser allererstes Treffen war dann auch noch im Schloss Bellevue, zu Gast bei Ihnen, Herr Bundespräsident, sehr aufregend. Ich wurde damals gefragt, ob ich am Round Table mit meinem Team ein Impulsreferat halten könnte. Als es soweit war, wäre ich fast gestorben vor Aufregung. Anne, wie geht es dir?
Anne: Noch ganz gut…
Jens: Es wurde sehr heftig diskutiert vor allem über Rechtsextremismus und Zensur im Internet. Es kam die Frage auf: „Wie können Jugendliche und darüber hinaus alle User und Anbieter das Netz zum Vorteil aller nutzen?“
1. TS Treffen Gersfeld 11.-13. Mai 2001
Anne: Auf das dann folgende erste Arbeitstreffen im Mai 2001 in Gersfeld, freuten sich die meisten riesig, endlich konnten wir richtig durchstarten. Die ersten einzelnen Teams bildeten sich und die Projekte nahmen konkretere Formen an. Es zeigt sich, wie vielfältig die Ideen waren. Einzelne wollten lieber den direkten realen Kontakt zu anderen Jugendlichen, lieber vor Ort zum Beispiel an Schulen mit ihnen in Kontakt treten. Andere hatten gute Einfälle, wie man die neue fairlink.de Website interessant machen könnte, damit sie von möglichst vielen Jugendlichen angenommen wird.
Jens: Was aber auf Dauer viel wichtiger war als das alles, war, dass die ersten Freundschaften entstanden sind und der Ansatz für eine wirklich starke Community. Sind wir doch, oder?
Projekte
Wie gesagt, viele Projekte sind entstanden, hier ein erster kurzer Überblick über einen Teil der Projekte, die später noch in der Ausstellung genau unter die Lupe genommen werden können.
Anne: - Team Bayern: Betreutes Surfen
Unterrichtseinheit zum Thema Extremismus im Internet
Jens: - Team Niedersachsen: Was tun bei Pöbeleien auf der Straße?
Deeskalationstraining und Konfliktlösung, durchgeführt in der Schule
Anne: - Team NRW II: Der lange Schatten
Theaterstück: Vom Internet zur Aufführung: Ziel war es, Jugendliche durch theaterpädagogische Förderung mit dem Thema Diskriminierung und Rassismus zu konfrontieren.
Jens: - Team NRW I: E-Card Wettbewerb
Entstanden sind STEP Cards, die verschiedene Formen von Gewalt und Intoleranz zeigen. Sie sollen aufrütteln und nachdenklich machen.
Anne: - Team Hamburg: Freiheit ohne Grenzen
Rechtsextremismus im Internet: Umfrage an Schulen mit insgesamt 230 Schülern
Jens: - Gewaltinfo.de
Information, Aufklärung, Forum: Hier handelt es sich um eine Internetseite, die Sites zum Thema „Gewaltprävention“, verknüpft.
Anne: - Team Berlin: Ich, Du – Wir
Jugendforum in Form von Kulturworkshops zu den Themen Kunst und Politik
2. TS Treffen Werftpfuhl/Berlin 23.-25. November 2001
Anne: Beim zweiten Arbeitstreffen in Werftpfuhl im November 2001 ging es vor allem um die Konkretisierung einzelner Projekte um danach mit der Umsetzung zu beginnen. Die Treffen waren für viele die Highlights, endlich konnte man sich mal wieder sehen, sich über seine Projekte austauschen, neue Eindrücke und Ideen bekommen. Ein übergeordnetes Netiquette Team bildete sich. Ziel war es, ausgehend von den Projekten Forderungen und Regeln abzuleiten.
Projekte
Jens: - Team Baden Württemberg: Langzeitquelle
Interaktiver Veranstaltungskalender für engagierte Jugendliche, zu finden unter www.step21.de
Anne: - Team Brandenburg I: Piraten e.V.
Jugendzentrum für Integration und gegen Rassismus
Jens: - Team Thüringen: Podiumsdiskussion mit Vertretern der Kommunalpolitik, der Polizei, Jugendlichen und Lehrern zur Frage:
Wie kann Kommunalpolitik effizient gegen Rechtsextremismus vorgehen?
Anne: - Team Sachsen: RechtsAußenVor
Theaterprojekt: 12 aufrüttelnde Szenencollagen gegen Ausländerhass und rechte Gewalt.
Jens: - Team Brandenburg II: Toleranztexter
Eine Internetzeitung, in welcher das Thema Rechtsradikalismus in journalistischer Form behandelt wird.
Anne: - Team NRW I + III: STEP 21 Tolerance Trivia Show
Online-Quiz zum Thema Toleranz
Jens: - Voll auf der Rolle – Aufstand der Anständigen
Ein Theaterstück, welches die Situation der Juden im dritten Reich und die der Ausländer in unseren heutigen Zeit vergleicht.
3. TS Treffen Köln 22. Juni 2002
Jens: Das dritte Arbeitstreffen in Köln im Juni 2002, hatte einen sehr konkreten Hintergrund. Die Situation war akut. Das STEP 21 Forum wurde verstärkt dazu missbraucht, platte Stammtischparolen loszuwerden. Wir überlegten gemeinsam, wie wir damit umgehen, bzw. etwas entgegensetzen konnten.
Redaktionstreffen für [fairnetz] in der STEP 21 Zentrale 09.-10. März und 17.-18. August 2002
Anne: Im März und August 2002 traf sich das Redaktionsteam in Hamburg bei STEP 21. Nun wurde intensiv daran gearbeitet, Regeln und Forderungen aus zu formulieren und Struktur ins Chaos zu bringen. Das [fairnetz], so wie wir es in wenigen Augenblicken präsentieren wurde bei diesen Treffen zu Papier gebracht. Es sind die Ergebnisse aller Toleranzschiedsrichterprojekte und der Arbeit von fast 2 Jahren.
Jens: Jetzt wird es spannend. Wir lesen nun zum ersten Mal die Tipps für respektvolles Handeln im Internet vor. Diese klingen auf den ersten Blick sehr einfach. Und dies ist auch gut so, weil wir gerade ein sehr breites Spektrum an Menschen erreichen möchten, für jeden verständlich. Diese Regeln werden in der Broschüre, die Sie nachher alle erhalten noch genauer erläutert. Wichtig ist, dass wir keine Verbote formulieren wollten, sondern eben Hinweise, Anregungen.
[fairnetz]: Tipps für respektvolles Handeln im Internet siehe www.fairlink.de Forderungskatalog an Schule, Wirtschaft und Politik
Jens: Auf die Forderungen gehen wir hier nicht näher ein, wenn sie aber gleich das fairnetz in den Händen halten, können sie sich darüber informieren. Alle User (Firmen, Jugendliche etc.) werden hiermit ausdrücklich aufgerufen, diese Fairnetz-Regeln anzuerkennen und anzuwenden. Dies kann dadurch bezeugt werden, dass der Fairnetz-Button von der STEP 21 Website heruntergeladen und auf die eigene Seite gestellt wird. So können sie ihre Zustimmung zeigen.
Anne: GANZ DOLLE bedanken möchten wir uns bei unserer geistigen „Mama“ Thekla Kerbstat, Kathrin Wunderer-Hickman und Ralf Helling, den Projektkoordinatoren von fairlink.de. Danke auch an das STEP 21 Team, das uns mit allen Kräften unterstützt hat. Besonderer Dank auch den Coaches und deren Know-how sowie Sonja Lahnstein, ohne die dies alles nie möglich gewesen wäre.
Jens: Ganz besonders herzlichen Dank gebührt aber unseren Schirmherren Johannes Rau für seine Unterstützung von Beginn an. Und jetzt würde ich gerne Sie Herrn Bundespräsidenten auf die Bühne bitten. Ich möchte ihnen stellvertretend für alle Toleranzschiedsrichter die Tipps für respektvolles Handeln im Internet. Kurz, das [fairnetz] überreichen. Sie sind der Erste, der diese Tipps in Händen hält und wir hoffen, dass unsere Arbeit damit eine breite Öffentlichkeit findet. Da wir gehört haben, dass sie auch durch ihre Kinder Interneterfahren sind, bitten wir Sie jetzt herzlich das [fairnetz] online zu klicken und damit die Tipps jedem im World Wide Web zugänglich zu machen.
Onlineschaltung von [fairnetz]